Du nimmst Kratom nicht mehr
wegen seiner Wirkung –
sondern um zu funktionieren

„Das Problem war nicht nur die Substanz selbst, sondern dass ich damit komplett alleine war.“

Yves (36)

kratom-frei.de Autorin Julia

Hey,

Wichtige Fragen zu Kratom

Viele Menschen beginnen Kratom zu nehmen, ohne an eine mögliche Abhängigkeit zu denken. Doch bei regelmäßigem Konsum kann sich mit der Zeit eine körperliche Gewöhnung an die Substanz einstellen. Gleichzeitig entsteht oft auch eine emotionale oder funktionale Abhängigkeit: Der Eindruck, ohne Kratom nichts mehr richtig zu schaffen, ist typisch für die Substanz.

Eine Abhängigkeit entsteht nicht von heute auf morgen. Viele Kratom-Konsumenten bewegen sich lange in einer Art Zwischenbereich: Die Substanz scheint noch „irgendwie zu helfen“, gleichzeitig wächst aber das Gefühl, dass sie immer mehr Raum einnimmt. In dieser Phase sehen sich viele noch nicht als abhängig. Die Frage „Bin ich von Kratom abhängig?“ kann sich für sie unangenehm anfühlen. Sie ist aber kein persönliches Urteil, sondern vielmehr eine Einladung, die eigene Situation ehrlich zu betrachten und vielleicht zu verändern.

Am Anfang erleben viele Kratom als etwas, das Energie gibt, beruhigt oder emotional stabilisierend wirkt. Mit der Zeit verändert sich aber die Intensität dieser Wirkung: Bei gleichbleibender Dosis wird sie kürzer, flacher und irgendwann auch weniger verlässlich. Das liegt daran, dass sich das Nervensystem an die Substanz gewöhnt hat.

Kratom beeinflusst bestimmte Rezeptoren und Botenstoffe im Gehirn – vor allem μ-Opioid-Rezeptoren, aber auch Dopamin-, Serotonin- und Noradrenalin-Systeme. Diese hängen mit Stimmung, Antrieb und Stressregulation zusammen. Werden diese Systeme über längere Zeit regelmäßig stimuliert, reagiert der Körper darauf, indem er seine Empfindlichkeit zurückfährt.

Dadurch entsteht gleichzeitig auch eine gewisse Toleranz gegenüber den Wirkstoffen in Kratom: Die gewohnte Menge erzeugt dann nicht mehr die bekannte Wirkung.

Wenn sich der Körper an Kratom gewöhnt hat, entsteht mit der Zeit das Bedürfnis, mehr von der Substanz zu nehmen oder sie häufiger konsumieren zu wollen. Dabei geht es oft gar nicht darum, sich „noch besser“ zu fühlen, sondern um das ursprüngliche Gefühl überhaupt erreichen zu können. Häufig ist das ein Prozess, der schleichend verläuft und lange unauffällig bleibt. Besonders oft scheint das bei Menschen der Fall zu sein, die trotz Konsum im Alltag gut funktionieren.

Die Dosis zu erhöhen ist bei längerem Kratom-Gebrauch fast schon eine automatische Reaktion und nicht unbedingt als ein Zeichen von Charakterschwäche zu werten. Mit höheren Dosierungen steigt allerdings auch das Risiko für Abhängigkeit und Nebenwirkungen.

Menschen, die häufig Kratom nehmen, erleben nicht selten ein Gefühl von innerer Leere, wenn es plötzlich fehlt. Der Antrieb ist verschwunden, Unruhe und Gereiztheit steigen. Die Ursache dafür ist ein neurobiologischer Anpassungsprozess: Das Nervensystem ist an die regelmäßige Unterstützung von außen gewöhnt. Wird der Konsum reduziert, muss das System erst wieder lernen, mit weniger auszukommen.

Wird Kratom ganz abgesetzt, kann ein echter mentaler und körperlicher Entzug entstehen. Dieser Zustand ist jedoch nur vorübergehend. Mit der Zeit erholen sich die beteiligten Neurotransmitter im Gehirn vollständig von Kratom.

Funktionieren kostet Energie. Kratom stellt einen Teil dieser Energie künstlich bereit. Auf diese Weise hilft es vielen, durch den Tag zu kommen. Dadurch kann allerdings auch der Eindruck entstehen, dass alles noch funktioniert, obwohl das eigene System eigentlich längst eine Erholung bräuchte.

Viele merken erst spät, dass sie zwar weiterhin alles schaffen, sich aber innerlich immer erschöpfter fühlen. Doch Funktionieren und Erschöpfung schließen sich nicht aus. Gerade im Zusammenhang mit Kratom treten sie oft gleichzeitig auf. Diese Gefühle können ein Hinweis darauf sein, dass Körper und Geist mit Kratom lange weiterfunktionieren mussten, ohne wirklich zur Ruhe gekommen zu sein.

Nach dem Absetzen von Kratom ist eine Phase von gedrückter Stimmung, innerer Leere und Niedergeschlagenheit typisch. Wie lange diese Phase anhält, ist sehr unterschiedlich. Sie kann mehrere Wochen andauern, bei manchen Menschen aber auch einige Monate spürbar bleiben. Das hängt von der zuvor konsumierten Menge, der Dauer des Konsums und möglichen Vorerkrankungen ab.

Wichtig ist: Eine depressive Phase nach dem Absetzen von Kratom bedeutet nicht automatisch, dass eine dauerhafte Depression entstanden ist! In vielen Fällen handelt es sich um eine vorübergehende Reaktion des Nervensystems, das sich erst wieder an ein Leben ohne die Substanz gewöhnen muss.

Auf Kratom zu verzichten bedeutet, etwas wegzulassen, das lange getragen, stabilisiert oder den Alltag überhaupt erst möglich gemacht hat. Für viele ist das grüne Blattpulver mit der Zeit zu einer verlässlichen Unterstützung geworden: Es hat geholfen, Stimmungsschwankungen auszugleichen, Stress zu dämpfen und leistungsfähiger zu sein. Deshalb kann sich der Gedanke an das Aufhören auch größer anfühlen, als er in Wahrheit ist – selbst dann, wenn man längst spürt, dass Kratom einem in Wahrheit gar nicht mehr richtig hilft.

Dass sich der Gedanke an das Aufhören trotzdem so groß anfühlt, hat oft genau mit diesem inneren Konflikt zu tun. Eine gewisse Ambivalenz geht dem Entschluss, tatsächlich mit Kratom aufzuhören, sehr häufig voraus. Diese widersprüchlichen Gedanken wahrzunehmen (und ernst zu nehmen!) kann ein erster, wichtiger Schritt hin zu einer Veränderung sein.

Viele Menschen nehmen Kratom lange, ohne ihr Konsumverhalten bewusst zu hinterfragen. Dieser kurze Selbstcheck hilft dir dabei, deine aktuelle Situation besser einzuordnen und zu erkennen, wo du gerade stehst.

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